Herangehensweise bei Dokumentationen

Der gegenwärtige, authentische Moment ist mein Lebenselexier beim Filmen. Das Film-Konzept sollte kein Gesetzbuch sein, sondern nur aus zielführenden Verabredungen bestehen. Mit einer Regie, die alle Beteiligten einbezieht, Klarheit vermittelt und Möglichkeiten erschafft. Das sollte nicht viel mehr als einer Wahrscheinlichkeitsberechnung ähneln, einem Entwurf, ein „So könnte es geschehen. Das könnte passieren. Wir werden wahrscheinlich diese Bilder bekommen.“ Sonst wird ein Drehbuch exekutiert, und die Personen unsouverän, agieren nicht aus sich heraus. Es gilt, glaubhaft zu sein.

Da es neben der Sache meist auch um Begegnungen und Dialoge geht, versuche ich, zeitnah aus mindestens zwei Perspektiven aufzunehmen. Um unmittelbar am Geschehen teilzunehmen, braucht es wechselnden Perspektiven, Nahaufnahmen und distanzierte Gesamtschau.

Ein großer Spaß ist natürlich den Aha-Moment, das Neue zu feiern, Wachsamkeit und Erkenntnislust mit der Kamera einzufangen, Gefühle zu übertragen und positive  Resonanzen einzuladen. Man muss dem Glück einen Stuhl hinstellen.

Der Film selbst entsteht dann am Schneidetisch anhand des Konzeptes und berücksichtigt Sehgewohnheiten. Da sind die Webfäden mal überraschend bunt und die Bedeutung des Materials ändert sich auch beim Betrachten nochmal. Jeder sieht etwas Anderes darin, aber wir sollen den Fehler loben, so muss es durch die notwendige Krise, und meistens gibt es für Unzulänglichkeiten bei den Aufnahmen akzeptable Lösungen für den Schnitt durch Umformulierungen, Zwischenschnitte, Tricks, die Sehgewohnheiten entsprechen. Die Sichtweisen auf die Sache sind so verschieden wie die Beteiligten. In der Differenz liegt das Spannungsfeld. Erfolg ist, wenn uns gelingt, dies sichtbar zu machen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.